OB-WAHL-SPEZIAL Frage Nr. 3

Potsdam verfügt über eine große und bedeutende Kunstsammlung, die noch nie in einer ständigen Ausstellung, sondern immer nur temporär in wechselnden Ausstellungen präsentiert werden konnte. Unterstützen Sie die Forderung des Fördervereins des Potsdam-Muse-ums und des Potsdamer Kunstvereins nach einer Erweiterung der Ausstellungsfläche des Potsdam Museums für eine ständige Kunstausstellung? Wenn ja, welchen Standort favorisieren Sie und haben Sie eine Idee zur Finanzierung einer möglichen Museumserweiterung? Wenn nein, nennen Sie bitte die Gründe, warum die Landeshauptstadt Potsdam keine ständige Ausstellung der städtischen Kunstsammlung benötigt? 

Janny Armbruster:

Im Jahr 2012 wurde das Potsdam Museum nach einer baulichen, strukturellen und organisatorischen Neuplanung als ein veranstaltungsorientiertes Stadtmuseum wiedereröffnet. Auf über 1.300 Quadratmeter werden seitdem Ausstellungen zur Kultur und Geschichte der Stadt präsentiert. Etwa ein Drittel der Fläche nimmt die Ständige Ausstellung „Potsdam. Eine Stadt macht Geschichte“ in Anspruch. Diese Ausstellung wird derzeit überarbeitet und ich hoffe, dass sie inhaltlich und in ihrer medialen Präsentationsweise noch mehr als bisher einem modernen Stadtmuseum gerecht wird.

Daneben gestalten die Kuratoren des Museums jährlich etwa sieben wechselnde Sonderausstellungen zur Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte. Hier erlebe ich, dass seit der Eröffnung des Potsdam-Museums der Schwerpunkt mehr und mehr auf Kunstausstellungen gelegt wird, die oft keinen Regionalbezug haben, von denen sich die Museumsleitung allerdings verspricht, überregionale Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich bin mir persönlich nicht sicher, ob dieses Konzept greift, insbesondere auch vor dem Hintergrund des privat finanzierten Museums Barberini in unmittelbarer Nachbarschaft,   das Kunst von nationaler und internationaler Reichweite präsentiert. Im Zusammenspiel beider Häuser wäre es m.E. sinnvoll, im Ausstellungskonzept des Stadtmuseums einen starken regionalen Fokus zu legen. Die erfolgreichen publikumswirksamen Ausstellungen „Max Baur“, „Peter Weiss“ oder „Monika Schulz-Fieguth“ sind meines Erachtens ein Beleg dafür, dass das Potsdam Museum mit einem solchen Konzept erfolgreich sein kann.

Ich denke aus meiner Antwort wird deutlich, dass ich eine ständige Präsentation der Potsdamer Kunst und der Potsdamer Künstler in einer Kunsthalle unterstütze. Die Idee ist nicht neu, sondern Bestandteil des Museumskonzeptes, das noch nicht realisiert ist. Viele Potsdamer Künstlerinnen und Künstler würden so mit ihren Werken endlich wieder sichtbar. Denkbar hierfür wäre ein entsprechend großer Raum im Kulturquartier Langer Stall/Feuerwache, das bis 2023 in der Potsdamer Mitte entstehen wird. Damit würde zugleich die Perspektive unterstützt, in Potsdam eine Kulturmeile mit entsprechenden Wegbeziehungen zu schaffen, die von der Schiffbauergasse über den Alten Markt zum geplanten Kultur- und Kreativquartier Langer Stall/Feuerwache führt.

Lutz Boede:

Ich halte eine ständige Kunstausstellung in einem Anbau des Stammhauses am Alten Markt für sinnvoll, weil dort vllt. die Nachbarschaft des Barberini genutzt werden kann, um ein paar zusätzliche Kunstinteressierte ins städtische Museum zu holen. Andererseits ist auch eine vergrößerte Ausstellungsfläche für die Daueraustellung zur Stadtgeschichte wünschenswert. Generell befürworte ich eine Finanzierung aus dem regulären Haushalt. Eine Landeshauptstadt muss sich ihr Museum auch leisten wollen.

Götz Th. Friederich:

Nun, ich sage auch hier, was ich an anderer Stelle und in anderem Kontext bereits mehrfach gesagt habe: Mit mir wird es keine ideologische Politik geben. Das gilt für Verkehr ebenso, wie für das große Thema Bauen und hier nenne ich gerne auch das Thema Kultur – Kunst – Kreativwirtschaft. Wir wollen eine Stadt, die für alle etwas zu bieten hat. Es wäre einfach unseriös sofort zuzusagen, eine Erweiterung der Ausstellungsflächen des Potsdam Museums zu versprechen. Versprechen sind in der Vergangenheit zu oft gemacht worden und wurden zu oft nicht eingehalten. Es ist aber richtig, sollte ich der nächste Oberbürgermeister werden, würde auch im Bereich Kunst – Kultur – Kreativwirtschaft ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wir benötigen insbesondere eine gezielte und gemeinsame Vermarktung unserer Kunst.

Dennis Hohloch:

Eine ständige Ausstellung der Exponate wäre ein wünschenswertes Ziel und sollte zusammen mit allen Beteiligten aus Verwaltung, städtischen Unternehmen sowie dem Museum forciert werden. Natürlich sind für den Erfolg geeignete Flächen sowie die Finanzierbarkeit erforderlich.

Mike Schubert:

Das Potsdam Museum ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses der Stadt und unverzichtbar als Stätte der Wissensvermittlung. Die bisher im Alten Rathaus für Ausstellungen zur Verfügung stehende Fläche von 550 qm für Sonderausstellungen und 750 qm für die Dauerausstellung sind nicht ausreichend, um den musealen Aufgaben des Sammelns und Bewahrens, Erforschens und Vermittelns entsprechen zu können. Daher schlage ich vor, die Sammlung Bildender Kunst entweder in einem Erweiterungsbau des Museumsgebäudes zu präsentieren oder Räumlichkeiten in der entstehenden Bebauung der Potsdamer Mitte zu nutzen, um die Exponate zu präsentieren. Aus meiner Sicht reicht es allerdings nicht, die Exponate und Kunstwerke in einer ständigen Ausstellung einfach nur auszustellen. Bezüge zur urbanen Lebenswelt müssen stärker als bisher eingebracht werden und das muss durch fantasievolle Ausstellungsgestaltung und partizipative Angebote geschehen. Auch der Fotografie würde ich im Übrigen viel Platz einräumen und das mit Aktionen in den sozialen Medien kombinieren. Da werden viele Möglichkeiten durch die Digitalisierung eröffnet. Das muss genutzt werden, auch um jüngere Menschen für das städtische Museum zu begeistern. Als Oberbürgermeister werde ich darauf dringen, dass sämtliche Möglichkeiten zur Drittmitteleinwerbung genutzt werden, um das Vorhaben einer Erweiterung der Museumsräumlichkeiten zu realisieren.

Martina Trauth:

Potsdam ist eine der wenigen Großstädte, die über keine ständige Kunstausstellung verfügt, in der sie ihre städtische Sammlung präsentieren kann. Gerade hinsichtlich der Konkurrenz oder auch Bereicherung durch das Barberini wäre eine städtische Kunstsammlung und ständige Ausstellung wohl optimal. Natürlich in dem Bewusstsein, dass hier andere Akzente als im Barberini gesetzt werden. Wir brauchen einen dauerhaften Ort für die Präsentation der Geschichte der Potsdamer Kunst mit Künstlern, die in Potsdam gewirkt haben, die in Potsdam gelebt haben, oder die Potsdam als Motiv hatten. Für die Finanzierung muss zunächst der Finanzbedarf geklärt werden und dann muss gemeinsam überlegt werden, wie die Umsetzung erfolgen kann.