Seltenes Foto der „Gloriette“ angekauft

Gloriette auf dem Bassinplatz, stereoskopische Fotografie um 1860 © Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte

Gloriette auf dem Bassinplatz, stereoskopische Fotografie um 1860 © Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Der Förderverein des Potsdam-Museums hat für die Sammlung des Hauses ein seltenes fotografisches Zeugnis erworben. Das stereoskopische Foto wurde vom Vereinsmitglied Siegfried Lieberenz bei ebay entdeckt und vom Verein angekauft. „Dieses Foto ist eine kleine Sensation, denn es ist die frühste uns bekannte fotografische Aufnahme der Gloriette Friedrich Wilhelms I. auf dem heutigen Bassinplatz“, freut sich Fördervereinschef Markus Wicke über die Entdeckung.

Nach der Anlegung des „Holländischen Bassins“ unter König Friedrich Wilhelm I. (dem sog. Soldatenkönig) auf dem heutigen Bassinplatz wurde 1739 in dessen Mitte auf einer kleinen Insel die sog. „Gloriette“ gebaut. Architekt war Jan Boumann d.Ä. Das kleine barocke „Lusthaus“, wie es Friedrich Nicolai in einer zeitgenössischen Beschreibung nennt, war völlig von Wasser umgeben, der König konnte es mit einem kleinen „Lustschiff“ erreichen, das am Ufer des ovalen Bassins lag. Nach Aussagen von Friedrich Mielke wurde es vom König jedoch kaum genutzt, seine Funktion war wohl eher ein Blickfang und architektonischer Abschluss der heutigen Brandenburger Straße und der Benkertstraße, in deren Achsenkreuz das Bauwerk lag. Als „Tabakshäuschen“ oder Tagungsstätte des sog. „Tabakskollegiums“, wie es der Volksmund fälschlicherweise gern nannte, diente es nie. Trotz eines offenen Zuflusses zum Heiligen See und einer unterirdischen Wasserverbindung zum Stadtkanal verschlammte das Bassin zusehends. Auch eine grundlegende Reinigung und Einfassung mit Mauerwerk unter Friedrich II. brachte langfristig keine Besserung, sodass man 1825 mit der Zuschüttung des Bassins begann und nur noch ein kleiner blasenförmiger Teich samt Glorietten-Insel übrig blieb.

Aus dieser Zeit stammt das vorliegende Foto, dessen Entstehung im Vergleich mit anderen Fotos aus der Sammlung des Museums um 1860 datiert werden kann. Das Foto wurde vom Süden aus aufgenommen, man erkennt im Hintergrund die Holländischen Eckhäuser von der heutigen Gutenbergstraße zur Benkertstraße. Ebenfalls erkennbar ist ein Kahn, der als kleine Seilfähre zur Insel diente. Zwischen 1867-1869 wurde die katholische Kirche St. Peter und Paul als neuer architektonischer Abschluss der Brandenburger Straße gebaut. Ab 1875 schüttete man den restlichen Teil des Bassins zu, die Gloriette stand nun nicht mehr auf einer Insel. Das von Krieg und Bomben verschonte Bauwerk wurde nach 1945 abgerissen, 1949 wurde an dessen Stelle das sowjetische Ehrenmal samt Soldatenfriedhof gesetzt.

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